[24.05.2026]

Die Geschichte des ISS (wie das INTERSTELLAR SAUCER SYNDICATE auch genannt wird) ist ebenso typisch wie untypisch für die Zeit der beginnenden 1980er Jahre, als es einen Wandel im Bereich des Progressive Rock gab. Ab Ende der 1960er Jahre waren hier eher psychedelische Klangmalereien an der Tagesordnung: komplex, lang, experimentell und fast schon symphonisch. Bands wie Yes, King Crimson, Genesis, ELP oder Rush veröffentlichten Songs von 10 bis 25 Minuten Länge mit mehreren musikalischen „Kapiteln“ innerhalb eines Stücks. Es gab häufige Taktwechsel, klassische Einflüsse und die Bands oder Künstler des Genres veröffentlichten oft Konzeptalben.

Mit Beginn der 1980er Jahre verlangten einige Plattenfirmen aber sog. AOR, sprich „Album Oriented Rock” bzw. „Adult Oriented Rock“, von den Prog-Rock-Musikern. Man forderte also rockige Musik für ein aus der Pro-Rock-Zeit herausgewachsenes Publikum. Das „Wir erschaffen musikalische Universen“ war mit einem Mal out und das Motto hieß: „Bringt Euren Kosmos ins Radio.“ Kompaktere und radiofreundlichere Musik war angesagt – also oft genau das Gegenteil von dem, was zuvor Progressive Rock ausmachte. Und die Bands lieferten: Genesis schaffte den Sprung, reduzierte die Songlängen deutlich von „Supper’s Ready“ zu „Invisible Touch“, Yes wechselte von epischen Suiten zu „Owner of a Lonely Heart“ und Asia entstand gar als „AOR-Version des Prog“.

Das ging einigen Prog-Rock-Größen aber gegen den Strich, darunter Patrick Chain, Gitarrist von THINK FREUD und Slartai Bartfast, Keyboarder der Band VAIL. Beide taten sich zusammen und gründeten 1982 mit INTERSTELLAR SAUCER SYNDICATE (übersetzt Interstellares Untertassen Syndikat), um weiterhin „ihre“ Musik machen zu können. Auf dem Debutalbum „Sunpower“ gab es melodiös-kraftvolle Gitarrensounds zu hören, viele Synthesizer-/Keyboards-Teile und eine überwiegend instrumentale, emotional-hymnische Stimmung. Allerdings war das ISS stets nur ein Side-Project, denn sowohl Chain als auch Bartfast blieben ihren Hauptbands treu. Das führte sogar dazu, dass sich Chain mit der Zeit ein klein wenig aus dem ISS zurückzog, dann nur noch für Liveauftritte zurückkehrte und Bartfast fortan hauptsächlich mit Linda Kramer, der Gitarristin seiner Band VAIL zusammenarbeitete und nach dem Ende von VAIL mit ihr sogar eine echte AOR-Band formierte namens @VENTURE.

Trotzdem war das zweite ISS-Album „UFOS at Lightspeed“ in der Besetzung Bartfast, Chain, Kramer sowie Jono Hayden am Bass und dem Drummer Timothy Palmer eine Offenbarung. Die Reise der „Ufos mit Lichtgeschwindigkeit“ war eine faszinierende Mischung aus Canterbury-Prog, Space Rock, Psychedelia und später elektronischer Musik. Das Album klingt auch heute noch wie eine fulminante kosmischer Reise voller spiritueller Euphorie und futuristischem Sound. Vor allem die in den langen und fließenden Stücken präsentierte Mischung aus psychedelischen Gitarren- und Synthesizerlandschaften, spacigen Echos und Hallräumen, Canterbury-Jazzharmonik, hypnotischen Grooves und spirituell-trippiger Atmosphäre begeisterte Fans wie Kritiker. Gelobt wurde „eine extrem singende, ‚glühende‘ Leadgitarre und Synthesizermomente, fast wie ein psychedelischer Sonnenaufgang im Weltall“ (so der Melody Maker 1984).

Das faszinierende am INTERSTELLAR SAUCER SYNDICATE war, dass bei ihm der Prog-Rock nicht nostalgisch wurde, sondern direkt in die Zukunft ging mit vielem, was später sowohl in die Ambient Music als auch den Goa-/Ibiza-Trance oder Psychedelic Electronica und elektronische Dance-Musik mündete. Die ISS-Alben „Sunpower“ (1983), „UFOS at Lightspeed“ (1986) und das Album „Live on Mars“ (1989) werden deshalb auch heute noch sowohl von Prog-Fans, Ambient-Hörern, Psychedelic-Trance-Anhängern als auch Elektronik-Musikern gleichermaßen verehrt. Obwohl sich das UFO-Syndikat 1991 auflöste investierte die ISS-Plattenfirma GLOBA Ende der 1990er Jahre sogar noch einmal Geld in eine Werbecampagne, bei der sie – um die neu gemasterten ISS-Alben zu promoten – klarstellte, dass die frisch errichtete und seit dem November 2000 dauerhaft von Raumfahrern bewohnte internationale Weltraumstation ISS „nicht mit dem INTERSTELLAR SAUCER SYNDICAT verwechselt“ werden solle. Der Slogan damals: „No UFO, Just Cosmic Glow.“

Nebenbei bemerkt: In der Szene halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es ein bislang unveröffentlichtes ISS-Album mit Titel „Space Chaser“ geben soll; vielleicht wird es ja irgendwann einmal irgendwo im weiten Kosmos entdeckt und erblickt dann auch das Licht der Welt – wenn die Interstellaren Untertassen zurückkehren. Bis dahin kann man sich mit den Solo-Alben von Slartai Bartfast trösten. – Mehr Infos gibt es wie immer auch auf www.suprnova.info!

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